Rheinpaste

…eine rheinische Essenz.

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Leistungsschutzrecht beschlossen

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Trotz massiver Kritik beugte sich der Bundestag heute der Verlegerlobby und hat mit der Mehrheit der schwarz-gelben Koalition das Leistungsschutzrecht beschlossen. Hintergrund ist, dass viele Verlage immer noch nicht den Sprung geschafft haben, Ihre Webangebote so zu differenzieren, dass damit Geld verdient werden kann. Nach wie vor werden die Artikel der Printmedien 1:1 auf der Webseite übernommen, so dass mit der steigenden Verbreitung von Tabletts viele Leser direkt die Onlineversionen nutzen und die Printausgaben immer häufiger in den Regalen liegen. 

Um der Finanzierungslücke der dadurch ständig sinkenden Absatzzahlen entgegenzuwirken, forderten die Verlage besagtes Leistungsschutzrecht, mit welchem Internetsuchmaschinen und automatische Nachrichtensammler künftig Lizenzgebühren an die jeweils publizierenden Medien zu zahlen haben, ähnlich dem Urheberrecht bei Musik und Bildern. Die Verlage wollen somit an den Werbeeinnahmen der Suchmaschinen mitverdienen, die nach und nach aus den Printmedien ins Internet abgewandert sind und nun besagte Textauschnitte umrahmen.

Eigentlich eine faire Sache, sollte man meinen, denn schließlich soll jeder für seine Leistung entlohnt werden, jedoch liegt hier die Krux hier im Detail. Zwar sollen „einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte“ künftig weiterhin lizenzfrei genutzt werden dürfen, jedoch steht nirgendwo eine Definition dessen geschrieben. Hier werden also in Zukunft die Gerichte mit der Festlegung der Grenzen beschäftigt werden.

Was bedeutet das für die Nutzer?

Zum einen wird die Suche nach relevanten Artikeln schwerer, denn je kürzer der Textausschnitt, desto aufwendiger wird die Recherche, denn im Zweifelsfall muss jeder Link angeklickt werden, um zu erfahren, was sich wirklich dahinter verbirgt. Dann wird die Auswahl der in der den Suchmaschinen angezeigten Artikel eingeschränkter, denn sicherlich werden Verlage ohne, bzw. mit geringen Lizenzgebühren bevorzugt angezeigt werden.

Betreiber von Blogs und auch Nutzer von Sozialen Netzwerken müssen zudem darauf achten, ob verlinkte Artikel zu viel Text zeigen oder nicht, denn auch sie können nach dem neuen Leistungsschutzrecht belangt werden. Gerade bei der automatischen Verlinkung durch Facebook oder Google+, welche automatisch einen Textausschnitt inkludiert, hat der Nutzer keinen Einfluss auf die Ausschnittlänge und kann somit nicht wirklich absehen, ob der Link damit gebührenpflichtig wird, oder nicht.

Das Internet und die ewig Gestrigen

Scheinbar muss jede einzelne Branche die eigene Bruchlandung machen, wenn es darum geht, sich im Internet Geschäftsfelder zu erschließen. Vor ca. 10 Jahren machte Apple den Musikindustrie vor, wie man mit Musik im Internet Geld verdienen kann und es dauerte noch Jahre, bis dies wirklich alle begriffen hatten. Die Verlage stehen sich nach wie vor selbst im Wege, denn nur ganz wenige Zeitungen bieten über Onlineangebote oder Apps wirkliche Mehrwerte. Die ARD machte mit einer der ersten Nachrichten-Apps vor, wie sich Inhalte intelligent miteinander verknüpfen lassen, mit dem Resultat, dass sie ebenfalls von den Verlagen verklagt wurden.

Persönlich finde ich es schade, dass die Entwicklung des Internets und die Dienstleistungen drumherum nur noch durch die Gerichte entschieden und gelenkt werden. Dieses hemmt zunehmend die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und somit den benötigten Wandel zu der digitalen Informationsgesellschaft.

Autor: Bernd Nussbaum

Angefangen mit dem Commodore 64 habe ich die meisten IT-Trends kommen und gehen sehen. Beruflich habe ich über Technik, Vertrieb, Marketing und Journalismus in die verschiedensten Bereiche Einblick erhalten… Zurzeit schreibe ich hauptsächlich für die INCOM Storage GmbH, einem Value Added Storage Distributor und das CeBIT Blog, d.h. zumeist technische Artikel, die ich hier verlinke. Im Rahmen einer Bloggerchallenge des Bundeswirtschaftsministeriums durfte ich 2012 vom Nationalen IT Gipfel berichten.

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